Kongress 2017

Die BOWIP Kongresse stehen für aktuelle Themen, aktiven Austausch und allgemeines Wiedersehen mit ehemaligen Kommilitonen und andren Alumnis. Während für die letzten beiden Punkte unsere Mitglieder wie immer hervorragend selbst dafür Sorge tragen, dass der Kongress zu einem jährlichen Erfolg wird, bestach das diesjährige Thema durch besondere Aktualität. 

Inspiriert durch besondere politische Ereignisse, wie dem Superwahljahr 2017, einem twitterfreudigen US Präsidenten und einem Vorreiter der Social Media Nutzung in der deutschen Politik hatte  der diesjährige  BOWIP Kongress  den Titel #Meinungsmacheheute: Gefällt mir? Im Fokus stand die Auseinandersetzung mit den Veränderungen in den Medien bezogen auf den Umgang mit Informationen/Fakten, der gezielten Meinungsmache, die Auswirkungen auf die Rezipienten wie auch das Nutzerverhalten. Wir haben uns den Fragen nach der Gestaltung und Nutzung der Medien aus bereits bewährter Weise in drei Perspektiven genähert. 

Der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Hans-Bernd Brosius (LMU München) skizzierte, unterlegt mit vielen Beispielen, die Veränderungen der Kommunikation in unserer Gesellschaft. Digitalisierung hat die Medienlandschaft grundlegend verändert. Stichworte sind Modularisierung, Fragmentierung und Beschleunigung. Beispielsweise zeigt die Analyse der Programmabläufe von ARD, ZDF, SAT etc. dass bereits zwischen 1988 und 1995 ein enormer Anstieg von Sendungswechseln und Häufung kleiner, eigenständiger Sendungen zu beobachten ist. Die veränderte Medienwelt verändert fortlaufend auch unsere Mediennutzung. Unsere Aufmerksamkeitsspannen werden immer kürzer. Bereits in 2005 verweilten über 50% der Fernsehzuschauer nur noch 1 bis max. 5 Minuten bei einer Sendung. Auf dem Hintergrund der Zunahme unsere Kommunikation über Bilder (u.a. Emoticons) sprechen Medienexperten auch von einer Infantilisierung. Bezogen auf die Kommunikation im öffentlichen Raum lassen sich 5 Macrotrends beobachten: Medieninhalte werden von den Nutzer selber generiert (Urheber = user generated), eine Vielzahl von Medien wird ergänzend benutzt (Medien: crossmedia). Informationen  werden in „Paketen“ bzw. nutzerspezifischen Kombinationen angeboten. (Strukturen: Modularisierung; Nutzer: Personalisierung). Kommunikation und Interaktion werden über Algorithmen gesteuert (Prozess: Automatisierung). 

Als Medienvertreter konnten wir den Journalisten Marcus Bensmann von CORRECTIV.ORG gewinnen. Er veranschaulichte uns in seinem Vortrag „Von Volksempfängern, alternativen Fakten und Windmühlen” sehr deutlich, was unabhängigen Journalismus auszeichnet und warum er immer wichtiger wird.

So stellte er vor, wie die Echokammer in den sozialen Netzwerken zum Volksempfänger der heutigen populistischen Bewegung wurde, wie die Dekonstruktion der Realität aus einem Vorgang ein Narrativ und aus einer Unwahrheit einen alternativen Fakt macht. Trollfabriken und bots verwässern zunehmend alle vorhandenen Informationen. Daraus folgerte er, dass Journalisten mehr tun müssen, als auf der Rosinante gegen Windmühlen anzurennen und dass die Suche nach Ursachen, Gründen und Urhebern an Bedeutung verliert, wenn das Ergebnis dieser Arbeit für den Leser lediglich zu einer weiteren Version von vielen wahrgenommen wird. Darüber hinaus habe der Journalismus in Europa an „Sex Appeal“ verloren und löst somit für viele Europäer den Wunsch nach Propaganda und Skandal aus. Marcus Bensmann forderte „Journalismus muss redlich und nachvollziehbar sein“. Dabei wurde Internet zunächst vor allem als Demokratisierung-Tool gesehen und wurde/wird auch als solches genutzt, wie es z.B. nur allzu deutlich am Arabischen Frühling wurde.

Der Vortrag erhielt seine Anschaulichkeit durch viele praxisnahe und bekannte Geschehnisse, die er vor allem aus einer Arbeit des CORRECTIV Teams zog, welches für die „Arbeit zum Abschuss von Flug MH17“ den Grimme Preis (2005) erhalten hatte.

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP Landtasgfraktion und Kreisvorsitzende der FDP Wuppertal, Marcel Hafke, veranschaulichte die gezielte Nutzung der Social Media Kanäle für den Wahlkampf von Christian Lindner. Wie keine andere Partei im momentanen Wahlkampf bedient sich die Partei der zur Verfügung stehenden Kanäle. Facebook ermöglicht eine besonders gezielte Zielgruppenansprache, twitter besticht durch die Schnelligkeit und Kürze der zu verbreitenden Infos, Instagram und Instastories bringen potenzielle Wähler hautnah an den Kanzlerkandidaten heran. Die Grenzen zwischen Privatsphäre und politischem Wahlkampf sind fließend und stellten nicht zuletzt einen Hauptdiskussionspunkt im Anschluss dar. Deutlich wurde, dass eine Social Media Präsenz neben kreativen und doch griffigen Hashtags vor allem eines brauchen: ein Gesicht. Es entstand der Eindruck, dass der Wahlkampf hier nicht geführt, sondern gelebt wird. So schilderte Herr Hafke, wie eine Partei, die noch vor einigen Jahren in Schieflage geriet und massive Wahlergebnis Einbußen hinnehmen musste, sich nun neu erfunden hat. Dies verlangt von jedem Mitglied mit öffentlichem Auftritt, die Bereitschaft das Konzept der Selbstvermarktung mitzutragen und zu unterstützen. Ein Social Media Team unterstützt hierbei nicht nur Herrn Lindner, oder andere Parteimitglieder.

Er stellt sich auch kritischen Stimmen (Shitstorm) und anderen kommunikativen Herausforderungen. Um unentschlossene Wähler zu erreichen, ist die Wahl der Social Media Kanäle einleuchtend. Die Nutzung bestimmter Kanäle ist in Deutschland so weit verbreitet, dass die Wahlplakate nur noch ein Pflichtprogramm darstellen, von dem man sich  keinen nennenswerten Stimmenzuwachs verspricht. Herr Hafkes Vortrag wurde besonders dahingehend positiv empfunden, als dass kein Wahlprogramm durchgekaut, sondern tatsächlich und kritisch der Umgang mit den neuen Medien beleuchtet wurde.

Alle Referenten erhielten als Dankeschön eine Laberblume, die viel Spaß für weitere Rednertätigkeiten verspricht.

Im Anschluss fand in sehr kleiner Runde die Mitgliederversammlung statt.

Rundum wurde der Kongress wieder als sehr gelungen wahrgenommen. Der Austausch brachte die verschiedenen  Generationen der BOWIPler näher zusammen und ließ neue Kontakte entstehen. Eine Anregung des letzten Kongresses wurde auch umgesetzt:
Wir können hiermit bereits jetzt mitteilen, dass der nächste Kongress am Samstag, den 16. Juni 2018 stattfinden wird.

 

Wir freuen uns schon jetzt darauf möglichst viele BOWIPler beim Kongress begrüßen zu dürfen und hoffen auf zwischenzeitliche Treffen bei den Get Togethers.

Kongress 2017 im Beckmanns Hof


Der Kongress 2017 fand im 

Beckmanns Hof
Universitätsstr. 150
44801 Bochum

statt.

Der Beckmanns Hof liegt unterhalb der RUB und unmittelbar neben dem Botanischen Garten. 

Bilder Kongress 2017


Ein Blick zurück auf den Kongress 2017 kann nicht schaden.
Hier findet ihr alle Bilder.

Beiträge zum Kongress


Hier findet ihr die Folien zu einem der Beiträge unseres Kongresses 2017.

Professor Brosius - Warum Kommunikation im Internet öffentlich ist