Kongress 2016

Kongressbericht: „Maloche 4.0: Neue Ideen zu mehr Glück und Gesundheit im Leben - von akademisch bis praktisch“

Erholung und Glück in Zeiten der neuen Arbeitswelt – geht das? Gibt’s das? Und wenn ja, wie und wieviel kostet das? Zum diesjährigen Kongress trafen wir uns in den neuen Räumen der RUB im Blue Square um uns diesen Themen zu nähern und uns auszutauschen.

Nach einer kurzen Begrüßungsrunde ging es auch direkt los. Gaby begrüßte die BOWIPler in den neuen Räumlichkeiten und stellte die Frage nach der der Bedeutung von Erholung und Glück in der heutigen Zeit. Die mediale Beschallung der heutigen Zeit, die zunehmend umfangreichere Ratgeberliteratur zum Thema, die verstärkten Forschungsbemühungen auf dem Gebiet der positiven Psychologie… das Glück scheint einen immer größeren Stellenwert in der heutigen Gesellschaft zu erobern… ja manche Tendenzen legen sogar eine Art ‚Zwangsbeglückung‘ nahe. So lernten wir z.B. dass es eine App gibt, welche nur Texte von „glücklichen“ Schreibern akzeptiert und bei unzureichender Mimik das Geschriebene sofort wieder löscht (Wer sie mal ausprobieren möchte: Hier klicken).

„Alle wollen jetzt happy sein.“ Das wollten wir auch und so ging es los mit dem ‚Coach der Malocher‘ Dr. Altfeld, der in seinem Vortrag „Recovery beets hard work sometimes“ uns an vielen Beispielen aus dem Leistungssport die Bedeutung der Erholung für die Leistung deutlich machte.

Was die Arbeitspsychologie zum Thema Pause postuliert (Leitsatz: Pausen machen produktiv), gilt auch auch im Spitzensport. Auch hier zeigt sich, dass gezielte Pausen und ein individuell entwickeltes Erholungskonzept dazu beitragen können, die eigenen Leistungsgrenzen noch ein Stück zu verschieben. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass die natürliche Reaktion bei nachlassender Leistung (mehr Training) manchmal kontraproduktiv sein kann. 35 verschwitzte Liegestützen vor versammelter Mannschaft von Jochen machten das auch ganz praktisch für uns erfahrbar. Was erholsam ist, wird von Person zu Person ganz unterschiedlich wahrgenommen und ist vor allem vom eigenen Erleben und Bewerten abhängig. Kontrasterlebnisse, Selbstbestimmung und Entspannung waren hier wichtige Kriterien. Was jedoch tun, wenn man nie Zeit hat? Dr. Altfeld hatte einen Vorschlag: Als festen Bestandteil in den Alltag einplanen - Termine mit sich selbst machen – der Erholung einen Stellenwert zumessen, wie der Arbeit auch. Als Fazit stand schlussendlich fest, dass auch Erholung trainerbar ist und ggf. auch Disziplin erfordern kann.

Doch wollen wir das wirklich? Welchen Sinn hat Erholung eigentlich? Sollten wir bzw. wollen wir unser Freizeitverhalten tatsächlich nur auf unser Leistungshandeln ausrichten? Oder hat vielleicht Erholung auch einen Selbstzweck bzw. lassen sich vielleicht mehrere Zielsetzungen gleichzeitig damit verbinden?

Im folgenden Beitrag von Prof. Förster wurde unser Horizont geweitet und in Richtung einer philosophischen, grundsätzlichen Betrachtungsweise gedehnt. Unter dem Titel des gleichnamigen Buches „Was das Haben mit dem Sein macht“ lernten wir zunächst die unterschiedlichen historischen Positionen zum Haben und zum Sein kennen. Was treibt uns an? Sind es die ‚Habensziele‘, also die materiellen Dinge (Mein Auto, meine Yacht, meine Pferdepflegerinnen) oder eher die ‚Seinsziele‘, also immaterielle Zustände (Ich, der Künstler, Bilderbuchvater und Psycholgieversteher)? Ist eine der Zielkategorien der anderen überlegen (i.e. macht uns glücklicher)? Hängen die beiden vielleicht zusammen oder schließen sie sich aus? Prof Förster zeigte unterschiedliche, teilweise kontroverse Forschungsergebnisse auf, die sehr wohl zeigen, dass nicht nur Seinsziele, sondern auch Habensziele und auch Geld glücklich machen, ja wie eine Droge wirken kann, wenn die entsprechende Motivation zugrunde liegt. Gleichzeitig verschwimmen aber die Grenzen zu den Seinszielen, wenn z.B. Aallederschuhe (an professoralen Gliedmaßen) zum Ausdruck eines Lebensstiles und eines ökologischen Bewusstseins werden. Komplexe Mittel-Ziel Zusammenhänge tun sich hier auf, deren Zusammenwirken noch nicht abschließend beantwortet werden kann. Ausblicke auf Trend Themen wie sharing economy und downshifting rundeten den Vortrag ab und machten Appetit auf sein Buch … aber nicht nur auf das Buch, sondern nach zwei Vorträgen auch auf kulinarische Genüsse.

Nach einem gemütlichen Beisammensein und Mittagessen führte uns Herr Uhle als Leiter der Gesunden Arbeitswelt der Currenta in die ganz praktische Arbeitswelt 4.0. Er führte uns durch die historische Entwicklung der Currenta, die als Wohlfahrtsabteilung begann und heute von der Sozialberatung, über eine hochentwickelte Arbeitssicherheit bis hin zum systematischen Gesundheitsmanagement reicht. Dass das Thema Erholung und Erholungsmanagement auch hier Einzug hält und nicht nur ein Luxusthema für das obere Management ist, zeigte uns ein aktuelles Projekt, welches die Erholung bei Schichtarbeitern fördert. Aus der Perspektive des Unternehmens stellt Müdigkeit ein besonderes Unfallrisiko dar und lässt sich so als „Business Case“ überzeugend darstellen. Und auch wenn Wechselschichtler „den Akku nicht mehr voll bekommen“ und öfters und länger ausfallen, muss etwas passieren. Herr Uhle sensibilisierte abschließend auch uns für diese Thematik und demonstrierte eindrücklich, dass das Thema Erholung im betrieblichen Gesundheitsmanagement eine Win-Win Situation darstellt.

Die spannenden Vorträge sorgten bei allen für so zahlreichen Diskussionsstoff, den wir in abschließenden ‚Slow Dates‘ aus einer ganz persönlichen Perspektive noch einmal reflektierten. Wo betrifft uns eigentlich das Thema Erholung? Beruflich… in unserer Profession als Psychologen? Privat? In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit wurden die Dates kurzerhand zu Gruppendates umfunktioniert und für einige hätte der Kongress wohl auch noch bis in die späten Abendstunden weitergehen können, um sich zu diesem spannenden Thema weiter auszutauschen. Leider musste unser Streifzug von der Wissenschaft zur Praxis durch die Themen Glück und Erholung um 16 Uhr sein Ende finden, doch so mancher hatte das fast schon traditionelle „Ich freue mich schon aufs nächste Jahr“ bei der Verabschiedung auf den Lippen.

Wir freuen uns schon drauf und danken allen Referenten und Beitragenden für diesen kurzweiligen und erholsamen Samstag!

Bilder Kongress 2016


Die bildlichen Eindrücke zum Kongress findet ihr hier.

Beiträge zum Kongress


Hier findet ihr die Folien zu den Beiträgen unseres Kongresses 2016.

Dr. Altfeld - Recovery beets hard work sometimes

Prof Förster - Was das Haben mit dem Sein macht

Dipl. Psych. Uhle - Gesunde Arbeitswelt 4.0