Kongress 2015

Herausforderung BOWIP 4.0 - Folgen der Digitalisierung kennen und Chancen nutzen

Unser diesjähriger Kongress fand am 12. September unter dem Motto „Herausforderung BOWIP 4.0 – Folgen der Digitalisierung kennen und Chancen nutzen“ im Veranstaltungszentrum unserer Alma Mater statt. Gemeinsam wollten wir reflektierten, wie die digitalen Medien, vor allem das Internet und Smartphones unser Leben verändert haben und weiter verändern werden. Was für Konsequenzen folgen aus den rasanten technologischen Entwicklungen und welche Chancen bieten sich uns als Psychologen in diesem Kontext?

So trudelten am Samstagmorgen nach und nach 43 BOWIPler ein, um bei einem zweiten Kaffee im Foyer der Cafeteria bei einem informellen Plausch die Neuigkeiten des vergangenen Jahres auszutauschen und sich gemeinsam auf das Thema einzustimmen. Bereits vor dem ersten Vortrag war jeder gefordert, einmal für sich persönlich zu überlegen, wie viele Aspekte seines Lebens sie oder er bereits ins Internet verlagert hat und ob das analoge Medium „Fachbuch“ in unserem Berufsleben überhaupt noch eine Rolle spielt oder mittlerweile durch die digitale Informationsbasis Internet abgelöst worden ist.

Nachdem alle ein Plätzchen gefunden hatten, eröffnete unsere Vorsitzende Gaby den Kongress mit ein paar warmen Worten zur Begrüßung und leitete direkt zu unserem ersten Gastredner, Prof. Dr. Kastner, aus der Nachbarmetropole Dortmund über. Prof. Dr. Kastner holte zum digitalen Rundumschlag aus und führte uns die weitreichenden Veränderungen durch die Digitalisierung in vielen unterschiedlichen Bereichen unseres Lebens vor Augen. Als Grundproblematik stellte er dabei die Herausforderung dar, dass die menschliche Evolution nicht in der gleichen Geschwindigkeit ablaufe wie die technische Entwicklung, was den Einzelnen vor die Herausforderung stelle „smarte“ Strategien der Abgrenzung und Entnetzung zu entwickeln, um die persönliche Balance zu wahren und nicht von der dynaxischen Welle überrollt zu werden. Weiterhin warf er Fragen nach der Bedeutung von psychologischen Theorien im Zeitalter von Big Data und  nach einem neuen Verständnis von Datenschutz und den möglichen Nebenwirkungen für das öffentlichen Leben auf.  Wir benötigen nach seiner Einschätzung einen neuen „Freiheitsbegriff“ im Netz. Ein rasanter Vortrag, der nachdenklich machte und zur Diskussion anregte, welche die anschließende Pause wie im Flug vergehen ließ…jedoch nicht bevor wir Prof. Dr. Kastner mit einem (standesgemäß digitalen) Blumenstrauß (in guter alter Wetten dass… Manier) auf den Weg zum Flieger verabschiedeten.

Im Anschluss zeigte Frau Prof. Dr. Kluge im zweiten Vortrag des Tages konkrete technische Entwicklungen in der Automobilindustrie auf. Sie machte deutlich, welche Möglichkeiten die smarte Technik in der Produktion bieten wird und ging auf die veränderte Rolle des Menschen in einem solchen Gefüge ein. Grob gesagt wird der Mensch vom Maschinenbediener und Planer zum „Dirigenten der Wertschöpfung“… wir lassen uns überraschen, was das konkret bedeuten wird. Weiterhin zeigte sie aber auch anhand eigener Forschungsergebnisse auf, wie die moderne Technik in Form von Datenbrillen und Tablets bereits heute den Menschen bei der Arbeit unterstützt und bei ihm auf große Akzeptanz stößt. Es wurde deutlich, dass sich hier bei der Weiterentwicklung bzw. Neugestaltung der Zusammenarbeit von Maschinen und Menschen in Unternehmen nicht nur an der Nutzerschnittstelle zahlreiche Arbeits- und Forschungsgebiete für Psychologen öffnen werden, sondern auch auf weiteren Themenfelder wie z.B. der Entwicklung von kontinuierlichen Qualifizierungskonzepten.

Hier schloss sich der nächste Vortrag  nahtlos an.  Prof. Dr. Solga stellte den Ansatz des Performance Improvements vor, welcher die Grenzen der Personalentwicklung durch externe Beratungen und Trainer verschieben will, indem er die in der Organisationsentwicklung weithin postulierte (aber selten praktizierte) Verschränkung von personalen und organisationalen Entwicklungsmaßnahmen ins Zentrum stellt, um sich dann auch an (für den Unternehmenserfolg) bedeutsamen Ergebnissen messen zu lassen. Auch hier geht es also aus Sicht der Personalentwickler darum, Silodenken zu überwinden und eine ganzheitliche Herangehensweise an Probleme der Personalentwicklung zu realisieren. Gerade unter der Perspektive einer zunehmenden Dynamisierung und Steigerung der Komplexität der Arbeitswelt, die uns in den ersten beiden Vorträgen offeriert wurde, scheinen auch solche umfassenderen Qualifizierungskonzepte reif für die Umsetzung!

Nach diesen drei intellektuellen Vorspeisen war es nun Zeit für einen kulinarischen Hauptgang und so ließen wir uns bei einem spanischen Buffet allerlei südeuropäische Köstlichkeiten auf der Zunge zergehen, die von der mediterranen Paella bis hin zur Crema Catalana reichten und keine Wünsche offen ließen.

Derart frisch gestärkt ging es nach der Pause dann in die Gruppenarbeit, im Rahmen derer alle im BOWIP vertretenen Generationen von den erfahrenen „Wise Guys“ bis hin zu den jungen „Natural born Digitals“ einmal für sich ganz persönlich erarbeiten, welche Chancen und Risiken sie in der Digitalisierung für sich und für uns Psychologen sehen. Anschließend trugen wir die Ergebnisse im Plenum zusammen und diskutierten sie gemeinsam noch einmal mit unseren Experten. Es zeigte sich, dass jede Generation sowohl Chancen als auch Risiken für sich und für uns Psychologen sah. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es sich bei der Digitalisierung um einen unaufhaltsamen Wandel handelt, bei dem wir Wirtschaftspsychologen eine aktive Gestaltungsrolle einnehmen können und sollten. Wir sind alle vor zahlreiche Herausforderungen gestellt, für die es gilt, Konzepte zu entwickeln und Strategien zu erproben, damit wir möglichst die sich bietenden Chancen optimal nutzen und möglicherweise das eine oder andere Risiko vorher präventiv entschärfen! 

Mit der Mitgliederversammlung ging unter der hervorragenden Versammlungsleitung von Dr. Axel Effey ein informativer und intensiver Kongress zu Ende. Es freut uns, euch mitteilen zu können, dass die Kasse stimmte (Dank geht an Michaela und Herbert für die Kassenprüfung) und wir einen erneuten Mitgliederzuwachs verzeichnen konnten. Weiterhin wurde die Idee entwickelt, dezentrale Get-Together des BOWIP zu schaffen, um auch Mitgliedern, welche nicht nach Bochum zum Kongress kommen können, eine Möglichkeit zur regionalen Vernetzung zu geben. Wir werden die Idee in der nächsten Vorstandsrunde diskutieren und überlegen, wie der BOWIP solche Treffen unterstützen kann.

 

Eine kleine Fotodokumentation findet ihr hier.

Impressionen Kongress 2015


Die Impressionen zum Kongress 2015 findet ihr hier.

Programm Kongress 2015


Das Programm als PDF des BOWIP Kongress 2015 findet ihr hier.

Beitrage zum Kongress


Einen der Beiträge zum Kongress findet ihr an dieser Stelle.

Prof Dr. phil. Dr. med. Michael Kastner
Genial - digital - katastrophal?