Kongress 2014

Stören Störungen im Management - oder führen Führungskräfte auch hier?

Ein provokanter Titel, impliziert er doch, dass Führungsverantwortung nichts für Gestörte ist. Gleichzeitig wirft er aber die Frage auf, ob nicht gerade im Bereich „Mitarbeiter mit Führungsverantwortung“ die Prävalenz von Störungen höher sein könnte. Mit Führungskräften und Management kennen wir BOWIPler uns ja alle ziemlich gut aus. Da befinden wir uns auf unserem ureigenen Terrain. Aber wie ist es dort mit Störungen? Zwar kennt bestimmt jeder von uns aus seinem beruflichen Kontext auch Führungskräfte „mit Ecken und Kanten“ oder eben „harte Hunde“… aber sind das dann „Störungen“??? …und wie kann man den Leuten helfen??? …und wollen die überhaupt, dass man ihnen hilft???

Für viele von uns ist das sicherlich „Terra Incognita“. Daher beschäftigten sich rund 50 BOWIPler am 24. und 25.05. mit dem Thema Störungen im Management und erkundeten dieses unbekannte Gebiet.

Am 24.05. gab es beim Get together im Strätlingshof Bochum bereits gute Gespräche zur Aktualität dieses Themas.

Zur Einstimmung auf dieses Thema hörten wir einen kurzweiligen, unterhaltsamen sowie nachdenklich stimmenden Vortrag von unserem Rüdiger Hossiep. Der spannende Titel „Psychopathie im Top-Management: Der Segen der bösen Tat?“ hielt was er versprach, denn er zeigte, dass narzisstisch geprägte Psychopathen wie geschaffen sind für die Karriere in der Wirtschaft. Ein Quäntchen Selbstüberschätzung hier, eine Prise Furchtlosigkeit vor wichtigen und unliebsamen Entscheidungen dort und dazu eine gute Portion Skrupellosigkeit, wenn es darum geht, diese auch durchzusetzen – und fertig ist der Firmenretter, Heilsbringer oder High-Tech-Guru. Psychopathen vereinigen auch viele Eigenschaften, die durchaus wichtige Ressourcen von Führungskräften darstellen und kurzfristig auch zu positiven Ergebnissen führen können. Deshalb fällt ihnen der Aufstieg in den Organisationshierarchien oft leicht. Schließlich heiligt der Zweck aber nicht die Mittel, wenn man die weitreichenden Folgen bedenkt, die eine korrupte Persönlichkeit an der Macht verursachen kann. Der pathologische Aspekt (die dunkle Seite) zeigt sich oft erst retrospektiv, dann aber in seiner vollen Wucht. Mit vielen Beispielen verdeutlichte Rüdiger Hossiep, dass dieses spannende Thema gleichzeitig skurril und hochaktuell ist. Hier kommt der Rolle von Psychologen und Psychologinnen in Unternehmen eine besondere Bedeutung zu, denn sie haben sowohl die fachlichen Voraussetzungen als auch häufig die Positionen, durch die man diese schillernden aber auch gefährlichen Persönlichkeiten erkennen kann und an den richtigen Platz verweisen kann. Die Frage blieb offen, inwiefern uns das bewusst ist und wir mutig das Know-how und die Möglichkeiten dazu nutzen.

Prof. Dr. Rainer Sachse, unser Bochumer Fachmann in Sachen Persönlichkeitsstörungen, entführte uns am Nachmittag in die Welt der Narzissten und Histrioniker. Bei seinem aufschlussreichen und lebendigen Vortrag „Persönlichkeitsstile von Managern und Managerinnen: Was sie bedeuten und wie man damit umgehen kann.“ blieben keine Fragen offen, aber dafür bekam man Lust auf mehr. Denn das ein oder andere Rätsel um schwierige Persönlichkeiten, mit denen wir häufiger zu tun haben, ließ sich dabei lösen. Dabei ging es gar nicht primär um die Frage „Ist der jetzt gestört oder einfach nur ein wenig anders?“, sondern vor allem um die Frage: „Wieso tickt der andere so und wie kann ich damit  umgehen?“.  Die  Tipps und Hinweise zum Verständnis von und Umgang mit diesen häufig beruflich sehr erfolgreichen Persönlichkeiten kamen vor allem denen zu Gute, die im intensiven Kontakt mit ihren Kunden stehen, wie z.B. beim Coaching. Ein kleines Rezept für alle, die nicht dabei sein konnten, sei an dieser Stelle genannt:  „Einen Narzissten können Sie gar nicht genug loben. Für Sie „gefühlt übertriebene“ Huldigungen werden von diesem eher als „normal und angemessen“ wahrgenommen. Tipp für den Umgang mit dem narzisstischen Chef: Mit Lob füttern, füttern, füttern, um „Beziehungskredit“ aufzubauen….und dann die (kleine) Kritik als „trojanisches Pferd“ zum Nachtisch servieren.

Ein dreigeteiltes BOWIP-internes Intermezzo fand noch vor der Mittagspause statt: die Vorstellung des zurzeit an der Fakultät laufenden Mentoring-Programms à la BOWIP, die Ehrung von Frau Gabriele Elke sowie die Vorstandswahlen.

Während der Übergangszeit an der Fakultät (bis ein dauerhafter Vertreter für den A&O-Lehrstuhl gefunden ist) haben sich Frau Elke und Herr Wottawa dankenswerterweise dazu bereit erklärt, für die neue Kohorte von 2013 noch einmal die Veranstaltung “Einführung in die Wirtschaftspsychologie“ durchzuführen. In dessen Rahmen gründete sich auf dem BOWIP-Kongress 2013 das neue Mentoring-Programm. Am 25.05. kamen viele der daran beteiligten Mentorinnen und Mentees und vermittelten uns ihre Aktivitäten und Erfahrungen. Es wurde dabei deutlich, wie bereichernd das Programm für alle Beteiligten ist und wie notwendig es auch ist, um den Praxisbezug an der Uni aufrecht zu erhalten. So konnten die Studierenden  Einblick erhalten in den beruflichen Alltag erfahrener Wirtschaftspsychologen und Wirtschaftspsychologinnen und auch mal unorthodoxe Fragen stellen, die man nicht jedem stellen würde. Das ist der besondere Vorteil der Nähe, den wir als BOWIP bieten können. Wir danken an dieser Stelle nochmals den Mentoren und Mentorinnen ganz herzlich für Ihren Einsatz: Habt herzlichen Dank dafür dass Ihr keine Kosten, Mühen und Fahrten gescheut habt, dass ihr Euch darüber hinaus auch persönlich und individuell eingebracht habt, um den Studierenden eine besondere und exklusive Erfahrung zu ermöglichen!

In diesem Zusammenhang war es endlich an der Zeit, auch  Gabriele Elke, die nun ebenfalls in den Ruhestand geht, für ihr Lebenswerk zu danken und zu ehren. Als Zeichen unserer Anerkennung und Wertschätzung für ihren Beitrag zur exzellenten Bochumer Ausbildung in Wirtschaftspsychologie überreichte ihr Verena Ossenberg Engels nicht nur den BOWIP-Ehrenpreis, sondern trug ihr auch die Ehrenmitgliedschaft an. Wir freuen uns deshalb, euch mitteilen zu können, dass wir Gabriele Elke nun als verdientes Ehrenmitglied in besonderer Weise an Bord zu haben. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, konnten wir sie sogar erfolgreich dazu gewinnen, nicht nur an Bord, sondern sogar am Steuer zu sein…

Bei der Mitgliederversammlung kam es zu neuen Vorstandswahlen. Verena Ossenberg Engels, Michaela Salewski-Renner, Bruno Klauk und Herbert Hollmann haben den Vorstand verlassen, Gabriele Elke, Hartwig Fuhrmann und Petra Wilmering wurden als neue Mitglieder in den Vorstand hinein gewählt. Jochen Gurt und Anne-Lena Göpfert bleiben uns erhalten. Die aktuelle Vorstandsbesetzung ist nun wie folgt:

Prof. Dr. Gabriele Elke (Vorstandsvorsitzende)

Prof. Dr. Jochen Gurt (stellv. Vorsitz (1), Vorstand für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit(2))

Dr. Anne-Lena Göpfert (stellv. Vorsitz)

Hartwig Fuhrmann (Vorstand für Finanzen)

B.Sc. Petra Wilmering (Schriftführerin)

Wir freuen uns alle sehr über den neuen BOWIP-Vorstand und wünschen ihm viel Spaß und alles Gute!

Beim gemütlichen Kaffeetrinken ging dann ein langer Kongress-Sontag bei dem einen oder anderen Schwätzchen zu Ende. Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die ein weiteres Mal zum Gelingen des Kongresses beigetragen haben, von den tollen Rednern und Vortragendenden, über unsere Mentoren bis hin zu den vielen helfenden studentischen Händen, ohne die ein solches Event nicht auf die Beine zu stellen wäre.

Die Fotos zum Kongress findet Ihr hier



Folienvorträge

Dr. Rüdiger Hossiep

Psychopathen im Management

Prof. Dr. Rainer Sachse

Persönlichkeitsstile von Managern