Kongress 2011

Quo vadis Wirtschaftspsychologie?

Die wirtschaftspsychologische Welt verändert sich. Während die Ausbildung als Wirtschaftspsychologe noch vor einigen Jahren etwas Besonderes war, hat sich heutzutage „Wirtschaftpsychologie“ als eigenständiger Studiengang sowohl an Universitäten als auch an zahlreichen Fachhochschulen etabliert.

Die steigende Nachfrage verdeutlicht die Attraktivität dieser Qualifikation. Im Gegensatz zu dem was viele alteingesessene BOWIPler noch kennen ist der Begriff „Wirtschaftspsychologe“ kein Fremdwort mehr für Unternehmen. Das ist u.a. der guten Ausbildung zu verdanken, die die Bochumer Wirtschaftspsychologen genießen durften und dürfen. Doch auch die Fakultät für Psychologie in Bochum verändert sich:

Mit Prof. Dr. Bernhard Zimolong, Prof. Dr. Heinrich Wottawa, Prof. Dr. Gabriele Elke und auch Prof. Dr. Werner Bierhoff verlassen uns Bochumer Wirtschaftspsychologen im Laufe der kommenden zwei Jahre die prägenden Persönlichkeiten der Wirtschaftspsychologie an unserer Fakultät. Es verlässt uns eine Generation die wiederum Generationen von Wirtschaftspsychologen geprägt und hervorgebracht hat. 

Nun wird eine neue Ära in Bochum anbrechen. Aber was kommt auf uns zu? Bekommen wir (kompetenten) wirtschaftspsychologischen Nachwuchs? Welchen Stellenwert werden die wirtschaftspsychologischen Arbeitseinheiten A&O sowie Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation künftig einnehmen, wenn die bisherigen Werttreiber fehlen?

Es kommt also ein Prozess des Change Managements auf uns zu, und wir tun gut daran uns darauf einzustellen. In den (fast) 15 Jahren, seit es BOWIP gibt, haben sich bereits einige Dinge verändert, z.B. die Einführung der neuen Studiengänge durch die Umsetzung von Bologna. Die „Neuen“ in unserem Alumni-Verein wissen manchmal nur noch wenig über die Anfänge und Ideale des BOWIP, und auch die „Alteingesessenen“ sind nicht immer „Up-to-date“. Auch für den Vorstand ist es immer wieder eine Herausforderung, über unsere Mitglieder auf dem neuesten Stand zu sein.

Um die Geschichte, aber auch die Gegenwart und Zukunft unseres Vereins einer Standortbestimmung zu unterziehen, wurden nunmehr zu einem kurzen Rückblick fast alle Vorstände und Initiatoren interviewt: Dr. Rüdiger Hossiep als Ideengeber und Initiator, Stephani Bocola als Umsetzerin und „Sherlock Holmes“ beim Auffinden von Absolventen (ohne Internet!), die das Gründungsvorhaben vorantreiben und unterstützen sollten und Prof. Dr. Ulrich Pawlak als Erster Vorstandsvorsitzender des Vereins, der von den hohen Zielen und Erwartungen damals und dort berichtete und sie mit dem heute und hier verglich. Verena Ossenberg Engels berichtete stellvertretend für Stefan Oenning von der Fortsetzungsphase unter seiner Leitung, in der es in erster Linie um Konsolidierung und Etablierung der Veranstaltungen nach dem ersten „Run“ ging. Verena Ossenberg Engels als dritte Vorstandsvorsitzende in den letzten fünf Jahren erzählte von der Arbeit mit dem Netzwerkgedanken als Kern mit dem Ergebnis der Verdoppelung der zahlenden BOWIP-Mitglieder.


Der Kern des diesjährigen Kongresses war aber sicherlich der Vortrag von und das Gespräch mit Ehrenmitglied Prof. Bernhard Zimolong und Prof. Gabriele Elke zum Thema „Wirtschaftspsychologie gestern-heute-morgen“.
Es wurde deutlich, dass sich durch den vorgesehenen Wegfall der Arbeitseinheit Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation unter Prof. Dr. Heinrich Wottawa in 2013 viel in Bochum verändern wird.

Der Grund für den gravierenden Change: Die Ruhr-Universität Bochum legt hochschulpolitisch neue Maßstäbe an, die primär auf wissenschaftliche Veröffentlichungen in high-impact-Zeitschriften setzt, was sich, so wird hochschulintern argumentiert, besser durch eine neuro-psychologisch ausgerichtete Psychologie bewältigen lasse. Laut Prof. Dr. Heinrich Wottawa kann man sich da lange beklagen aber dennoch nichts an diesen Steuerungsparametern ändern. Viel Hoffnung liegt folglich auf dem neuen Zimolong-Nachfolger, Herrn Prof. Dr. Dormann.  BOWIP überreichte Herrn Prof. Dr. Zimolong den „BOWIP-Ehrenpreis“ als Dank für sein Lebenswerk.

Dem Netzwerkgedanken folgte der BOWIP-Kongress beim „BOWIP im Net(t)work“, einer professionellen „Speed-dating“-Variante, die großen Anklang fand.

Die Anwesenden wurden gebeten, sich entsprechend ihrer Abschlussjahrgänge aufzustellen und anschließend in Quartile aufgeteilt um die Jahrgänge bestmöglich zu durchmischen. An Stehtischen fanden daraufhin die dyadischen, blitzlichtartigen Gespräche statt. Die danach folgende Mittagspause bot Gelegenheit, die frisch geknüpften Kontakte zu vertiefen.

Um für die Zukunft das Gute festzuhalten und gleichzeitig den Blick für die Potenziale des BOWIP zu öffnen, tauschten sich die Kongressteilnehmer anschließend in kleinen Arbeitsgruppen zum Thema „BOWIP im Visier: gestern – heute – morgen“ aus. Die vielfältigen Vorschläge und Ideen wurden gesammelt und werden in Arbeitsgruppen weiter ausgearbeitet.

Den Abschluss bildete wie immer die jährliche Mitgliederversammlung.

BOWIP freut sich in diesem Zusammenhang ganz besonders, Katharina Karlsberg  als neues Vorstandsmitglied (Vorstand für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit) begrüßen zu dürfen.

Impressionen


Folienvortrag Prof. Dr. Zimolong und Prof. Dr. Elke: "Wirtschaftspsychologie gestern - heute - morgen"